Kenia-Trainingslager

Aus keinem anderen Land kommen so viele gute Läufer, wie aus Kenia. Bei fast allen Straßenläufen in Deutschland rennen die Athleten aus dem ostafrikanischen Rift Valley vorneweg. Ein Teil von ihnen wohnt während der Saison in Nideggen-Schmidt in der Eifel. Dort hat in diesem Sommer der eliterunning.de-Webmaster Jochen Alhäuser einige Tage zusammen mit ihnen trainiert. Erfahrt  hier, wie es ihm dabei ergangen ist und was er erlebt hat.

1.Tag - Anreise nach Nideggen-Schmidt. Von mir zu Hause sind es gerade einmal 75 Kilometer bis dorthin. Aber statt der geplanten Stunde brauche ich fast doppelt so lange. Irgendwie habe ich wohl nicht ganz den Weg erwischt, den mir mein Routenplaner vorgeschlagen hat. Immerhin kenne ich jetzt aber ein paar schöne Serpentinenstrecken durch die Eifel.
Nachdem ich mein Quartier bezogen habe, lerne ich meine kenianischen Trainingspartner kennen. Auf ein erstes abendliches Training verzichten wir aber, weil es mittlerweile zu regnen begonnen hat.
Einfach eingerichtet, aber gemütlich und zweckmäßig: Die Pension Falter in Nideggen-Schmidt in der Eifel. Hier wohnen die kenianischen Läufer während der Wettkampfsaison.
Kenianer laufen äußerst ungern bei Regen, ich auch und so gönne ich mir also nach dem Wettkampf des Vortages noch einen Ruhetag. Zum Abendessen gibt es Ugali, das kenianische Nationalgericht. Das sollte Kraft geben für den nächsten Morgen.

2.Tag - Acht Uhr morgens, leichter Nieselregen, das Thermometer zeigt gerade einmal elf Grad an, so ist er, der Sommer 2004 im Juli. Gemeinsam mit fünf Kenianern mache ich mich auf die erste Trainingsrunde. Und es ist wirklich beeindruckend, wie langsam diese doch so schnellen Läufer mit Bestzeiten von unter 30 Minuten auf 10 km lostraben. Selbst die Anfängergruppe im Lauftreff würde ihren Lauf schneller beginnen.
Unterwegs werden wir zwar schneller, aber bis auf die Steigerung kurz vor Schluss bleibt das Tempo moderat. Anschließend noch ein wenig Stretching, dann ist die erste Trainingseinheit schon Geschichte. Für den Nachmittag steht dann Fahrtspiel auf dem Programm. Spielerisch ist es aber nur für meine Mitläufer, denn jedes mal, wenn die beiden, unter ihnen Amos Matui, der als Zweiter beim Hannover Marathon auch den deutschen Meister Stephan Freigang hinter sich lassen konnte, Gas geben, muss ich mächtig kämpfen um dran zu bleiben. Höhepunkt ist ein langgezogener steiler Anstieg, an dem mich auch der Rest der Gruppe locker überholt, während ich mich mit brennenden Muskeln nach oben quäle. Die übrige Strecke ist zwar wieder einfacher, aber am Ende merke ich meine Beine schon ziemlich deutlich.

3. Tag - Heute kann ich ausschlafen, erst um zehn Uhr brechen wir auf zum Tempotraining auf. 12 x eine Minute schnell mit einer Minute Pause heißt die Vorgabe. Beim ersten Intervall kann ich noch so halbwegs mithalten, danach sehe ich die Gruppe nur noch von hinten. Immerhin ist mit Lucy Chemweno eine Läuferin dabei, die nicht ganz so stark ist. Gemeinsam laufen wir die Einheit zu Ende, auf den Tempostücken kann ich sie sogar hinter mir lassen.
Abends lerne ich dann noch, wie man Ugali zubereitet. Geht ganz einfach und ist eine prima Alternative zu Pasta.

4.Tag - Nach dem harten Programm vom Vortag ist die Stunde Dauerlauf eine echte Erholung. Nach dem Lauf bemerke ich, dass an meinem Bein eine Zecke sitzt. Ich entferne sie, aber sie ist robust und hartnäckig. Sie schafft es noch zweimal sich festzubeißen, bevor ich sie endgültig erledigt habe. Ob das einer der Gründe ist, warum die Kenianer auch bei relativ warmen Temperaturen  mit langen Hosen laufen? 
Wer sich fragt, was die Kenianer machen wenn sie nicht gerade laufen; Fernsehen ist ihre Lieblingsbeschäftigung. Stundenlang sehen sie sich alle möglichen Sendungen an.

5. Tag - Endlich lässt sich auch mal die Sonne blicken. Nach dem Training am Morgen lege ich mich ein bisschen zum Relaxen auf die Liege im Garten. Folge ist ein handfester Sonnenbrand. Statt mich meinen Mitläufern farblich ein wenig anzunähern, habe ich nun eine Gesichtsfarbe wie ein Hummer. Die Kenianer sind amüsiert über meine Metamorphose, naja, wer den Schaden hat...
Abends schaut noch der ehemalige deutsche Spitzenläufer Michael Wolf vorbei. Er ist mit einer Kenianerin verheiratet und spricht sogar Suaheli. Ansonsten klappt die Verständigung mit den Kenianern gut auf Englisch, einige, die schon öfter in Deutschland waren, sprechen sogar schon ein bisschen Deutsch.

 6. Tag - Heute heißt es schon wieder Abschied nehmen. Drei der Kenianer fliegen zurück in ihre Heimat und für mich geht es auch nach Hause. Vorher absolvieren wir aber noch einmal einen gemeinsamen Trainingslauf durch die grandiose Landschaft oberhalb des Rur-Stausees. Amos Matui läd mich ein, doch auch einmal nach Kenia zu kommen. Warum eigentlich nicht?

 
Auf jeden Fall hat mir das Training mit den Kenianern Riesenspaß gemacht. Wenn ihr nun Lust bekommen habt, auch einmal so zu trainieren, dann ist das kein Problem. Infos bekommt ihr bei Sally Jerop Boltersdorf, Tel.02427-9099810, Fax 02427-9099817 oder per Mail: info@athletes-for-athletes.net