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Laufen und Formel 1
Was hat Laufen denn mit der Formel 1 zu tun, einmal abgesehen davon, dass
sich die Fahrer einen Teil ihrer Fitness laufenderweise holen?
Nun, manche Laufveranstaltungen werden ebenso wie in der Formel 1 auf mehrmals
zu absolvierenden Rundkursen absolviert. Und ebenso wie in der Königsklasse
des Motorsports kommt es auch hier zu Überrundungen. Doch dabei tun
sich zwischen den beiden Sportarten schon deutliche Unterschiede auf. |
| Denn der überrundende Fahrer kann sich darauf verlassen,
dass der langsamere Fahrer vor ihm die Ideallinie freimacht und ihn ohne
Behinderung überholen lässt. Dazu gibt es rund um den Kurs
Streckenposten, die mit Flaggensignalen auf den schnelleren Fahrer von hinten
aufmerksam machen. Und wenn ein langsamerer Fahrer partout nicht von der
Ideallinie herunterfährt, so kann er sich nach dem Rennen auf eine
entsprechende Strafe gefasst machen.
Als ambitionierter Läufer träumt man bei manchem Citylauf von solchen
Bedingungen, wenn man spätestens zur Hälfte der Distanz anfängt,
sich durch das Feld der Jogger zu wühlen. Dabei hat es der führende
Läufer noch vergleichsweise gut, denn meist sorgt hier der vorausfahrende
Führungs-Radfahrer lautstark dafür, dass er noch eine relativ freie
Bahn vorfindet. Für die folgenden Athleten wird das Rennen aber oft
zum Slalomlauf, bei dem derjenige das beste Ende für sich hat, der sich
am geschicktesten durch die Läufermassen schlängelt.
Insbesondere wenn man kurz vor einer Kurve auf eine Gruppe von
übergewichtigen Joggerinnen aufläuft, die fröhlich schnatternd
zu viert nebeneinander wie eine Wand die Ideallinie blockieren, dann muss
man sich schon ziemlich zusammenreißen, um seinem Unmut darüber
nicht lautstark kund zu tun.
Um nicht falsch verstanden zu werden: Hier sollen nicht etwa die langsameren
Läufer diskriminiert werden. Auch wer im hinteren Bereich des
Teilnehmerfeldes um persönliche Bestzeiten kämpft, der verdient
Respekt. Vielmehr geht es hier um Rücksichtnahme gegenüber jenen
Läufern, die eine Laufveranstaltung noch in ihrem ursprünglichen
Sinne als Wettkampf verstehen und unterwegs um Zeiten und Platzierungen
kämpfen und dabei faire Bedingungen vorfinden wollen. Wer aber ohne
Ambitionen nur die Distanz bewältigen und dabei die tolle
Citylaufatmosphäre genießen will, der ist sicherlich ebenso
willkommen, aber eben bitte nicht auf der Ideallinie.
Andererseits sind aber auch die Veranstalter an solchen Konflikten nicht
ganz unschuldig. Wenn man z.B. beim Würzburger Residenzlauf im Lauf
der Asse rund 30 bezahlte Topathleten auf einen viermal zu laufenden Rundkurs
von 2,5 km schickt, im Volkslauf aber mehr als 2000 Läufer auf die gleiche
Strecke, dann ist dies sicher nicht die optimale Verteilung. Im Zeitbereich
bis 40 Minuten geht es in den meisten Altersklassen noch um Siege und
Platzierungen, warum nimmt man diese Athleten nicht auch noch mit in den
schnelleren Lauf? Die Profiläufer würden hiervon nicht
beeinträchtigt, aber für die leistungsorientierten Läufer
dahinter wäre es deutlich angenehmer.
Immerhin gibt es auch Veranstalter, die lernfähig sind. Beim
Düsseldorfer Kö-Lauf hat man nach jahrelanger Kritik im letzten
Jahr endlich die Renneinteilung nicht mehr nach Altersklassen und Geschlecht
sondern nach Laufzeiten gemacht und so für deutliche entspanntere
Verhältnisse auf der Stecke gesorgt.
Ansonsten bleibt nur der Apell an die 'Spykers der Laufstrecke': Schaut unterwegs
auch mal hinter euch, in unser aller Interesse. |