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Marathon: Der Tod läuft mit

Das Jahr 2007 wird als ein besonderes Jahr in die Geschichte des Marathonlaufes eingehen. Nicht nur wegen des neuen Weltrekords von Haile Gebrselassie, sondern vor allem durch eine Serie von tragischen Todesfällen, die die Läufe weltweit überschattete. Auch in Deutschland waren mehrere Veranstaltungen betroffen.

Schnell hatten sich Experten und solche, die sich dafür hielten zu Wort gemeldet. Marathon sei eine Risikosportart hieß es, Hobbyläufer würden sich überfordern und unzureichend trainiert oder mit nicht erkannten Vorschädigungen ins Rennen gehen.

Die Forderung nach einer verpflichtenden Untersuchung vor dem Marathon wurde laut, die Teilnahme an Laufveranstaltungen sollte ähnlich wie in Frankreich oder in Italien nur mit einem Attest oder einem Gesundheitspass erlaubt sein. "Marathon-Starts dürften bei Läufern über 35 Jahren oder Sportanfängern künftig nur noch möglich sein, wenn eine gründliche ärztliche Untersuchung des Herzens vorausgegangen ist", forderte Wilfried Kindermann, Chefmediziner des deutschen Olympiateams. Damit könne das Risiko im Vorfeld deutlich reduziert werden, lautete die Meinung aus Kreisen der Mediziner.

Die Interessensgemeinschaft der großen deutschen Straßenlauf-Veranstaltungen, German Road Races (GRR) lehnt die Forderung nach einem Attest jedoch ab, da es neben rechtlichen Konsequenzen zu viele Unsicherheitsfaktoren und einen kaum in dem gebotenen Zeitraum zu bewältigenden Verwaltungsaufwand bedeutet. Dafür fordert GRR eine verbesserte gesundheitliche Aufklärung und maßvolle Trainings-Vorbereitung der Läufer.

Weiterhin soll zukünftig bei der Anmeldung zu einem Wettkampf eine verbindliche Erklärung abgegeben werden, dass ein zeitlich nahe am Veranstaltungstermin gelegener Gesundheits-Check bei einem Spezialisten durchgeführt wurde, zusätzlich zu der bereits jetzt üblichen Erklärung über einen "angemessenen Trainingszustand" und einer Aussage über den Gesundheitszustand.

Letztlich dient diese Erklärung wohl eher dazu, das Gewissen der Veranstalter zu beruhigen. Denn wer unbedingt starten will, der wird sich dadurch nicht davon abbringen lassen und die Erklärung auch wider besseren Wissens abgeben. Deshalb muss laut GRR-Sprecher Horst Milde "...eine maßvolle Aufklärung mit flankierenden Maßnahmen im Vordergrund stehen". Solange aber eine Laufzeitschrift wie Runner's World, die sich selbst als die größte der Welt bezeichnet und vor allem von Laufanfängern gelesen wird, im aktuellen Heft (Nov 2007) dazu rät auch bei Erkältung ruhig weiter zu laufen, liegt hier wohl noch einiges im Argen.

Doch egal was man auch unternimmt: Ganz verhindern lassen sich Todesfälle im Laufsport nicht. Am 3. November brach bei den US-Amerikanischen Marathon-Olympiaausscheidungen im New Yorker Central Park der Mitfavorit Ryan Shay nach knapp neun Kilometern tot zusammen. Kein überambitionierter Hobbyjogger, sondern ein austrainierter Profi, mit 28 Jahren im besten Marathonalter und wiederholt ärztlich untersucht. Was seinen Tod verursacht hat, konnte nicht herausgefunden werden, auch eine Autopsie brachte keine abschließende Klarheit.

So kann man nur versuchen, die Risiken soweit wie möglich zu reduzieren. Von Seiten der Veranstalter, indem man die Sicherheitsmaßnahmen an der Strecke optimiert und den Läufern den Startverzicht auch ohne finanziellen Verlust ermöglicht. Von Seiten der Läufer, indem man im Vorfeld eines Marathons die Möglichkeit der ärztlichen Untersuchung wahrnimmt und im Zweifelsfall auch bereit ist, ein Rennen vorzeitig zu beenden oder gar nicht erst an den Start gehen.

Archiv

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