|
|
 |
|
 |
Julia Viellehner |
 |
Aus dem Nichts (fast) zu EM-Bronze
 |
Nach dem überraschenden Gewinn der Bronzemedaille bei den
Cross-Europameisterschaften durch das deutsche Frauenteam stand vor allem
Sabrina Mockenhaupt im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Die kleine
Siegerländerin war mit einem couragierten Rennen auf den fünften
Platz gelaufen und hatte damit den Grundstein für den Erfolg gelegt.
Aber erst die 19-jährige Julia Viellehner vom bayrischen TSV Winhöring
sorgte mit ihrer starken Leistung dafür, dass die deutschen Damen auf
den Medaillenplatz kamen. |
Zwei Wochen vor den Europameisterschaften hatte sie sich bei den deutschen
Crossmeisterschaften in Bremen erstmals in das Blickfeld der breiteren
Öffentlichkeit gelaufen. Mit Startnummer 112 war die zierliche
Läuferin schnell wie die Feuerwehr unterwegs und kämpfte sich nach
verhaltenem Beginn Platz um Platz nach vorne bis sie als Vierte des
Gesamtklassements hinter Sabrina Mockenhaupt, Luminita Zaituc und Susanne
Ritter deutsche Meisterin bei den Juniorinnen wurde.
Doch nicht wenige der anwesenden Zuschauer wussten zunächst gar nicht,
wer die Läuferin im hellgelben Shirt war, die einige wesentlich namhaftere
Konkurrentinnen hinter sich gelassen hatte. Auf der Homepage des bayrischen
Leichtathletikverbandes standen drei bayrische Meisterschaften und die
Endlaufteilnahme über 1500 Meter bei den deutschen Meisterschaften als
größte sportliche Erfolge verzeichnet. Auch ihr Herkunftsort
Winhöring, knappe zehn Kilometer vom Wallfahrtsort Altötting entfernt,
sagte wohl kaum jemandem etwas. Immerhin galt aber das benachbarte Waldkraiburg
früher als so etwas wie eine Cross-Hochburg mit dem Marathon WM-Sechsten
von 1993 Konrad Dobler als Aushängeschild.
Mit dem Erfolg von Bremen hatte sich Julia Viellehner für die Cross-EM
in Heringsdorf auf Usedom qualifiziert. Obwohl sie aufgrund ihres Alters
noch bei den Juniorinnen startberechtigt gewesen wäre, nominierte sie
Teamleiter Detlef Uhlemann für die Frauenmannschaft. Ein echter
Glücksgriff, wie sich im Nachhinein herausstellen sollte, denn als die
Olympia-Siebte über 5000 Meter, Irina Mikitenko krankheitsbedingt ihre
Teilnahme bei den Cross-Europameisterschaften absagen musste, da schien die
erhoffte Mannschafts-Medaille plötzlich außer Reichweite zu sein.
Doch vor heimischer Kulisse liefen die deutschen Frauen zu Höchstform
auf. Sabrina Mockenhaupt holte als Fünfte das beste deutsche Einzelergebnis
bei einer Cross-EM, Luminita Zaituc und Susanne Ritter enttäuschten
ebenfalls nicht. Nun hing aber alles von Julia Viellehner ab, die als vierte
Deutsche in Wertung kommen würde. Wie schon zwei Wochen zuvor in Bremen
hatte sie das Rennen vorsichtig begonnen um dann in der Schlussphase immer
weiter nach vorne zu laufen. Platz 41 in der Einzelwertung und Mannschafts-Bronze
mit einem einzigen Punkt Vorsprung vor den Französinnen war der Lohn
der Mühen.
Doch für die ambitionierte Läuferin soll dieser Erfolg nur
Zwischenstation sein, ihr Traum ist der Sieg bei den olympischen Spielen
in Peking. Auch beruflich hat sie hochgesteckte Ziele. Sie möchte
Ärztin bei "Ärzten ohne Grenzen" in Indien werden.
Nachtrag:
Zwei Wochen nach den Europameisterschaften wurde den deutschen Frauen die
Mannschafts-Bronzemedaille wieder aberkannt. Nach Kontrolle der Videoaufnahmen
des Zieleinlaufes wurde die dritte französiche Läuferin um einen
Platz nach vorne gesetzt. Dadurch waren die deutsche und die französische
Mannschaft nun punktgleich und in diesem Fall entschied die bessere
Einzelplatzierung der vierten Französin gegenüber Julia Viellehner
über die Reihenfolge in der Teamwertung.
|
 |
Archiv
|
|
|