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Laufen mit Pulsmesser |
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Sinn oder Unsinn?
In den letzten Jahren hat der Pulsmesser auch im Breitensport sprunghafte
Verbreitung gefunden. Spätestens seit Discounter wie Aldi und Lidl diese
Geräte für kleines Geld unters Volk bringen und Marktführer
Polar auch preiswerte Einsteiger-Geräte verkauft, sind die Geräte
zur Herzfrequenz-Messung nicht mehr nur Spitzenathleten vorbehalten, sondern
auch bei vielen Hobbyjoggern im Einsatz.
Allerdings stellt sich die Frage, welchen Nutzen der Gelegenheitsläufer
von seinem Pulsmesser überhaupt hat. Kann er ihn wirklich sinnvoll zur
Trainingssteuerung einsetzen und was bringt ihm das?
Es ist nämlich anzunehmen, dass der größte Teil der Läufer,
die mit Pulsmesser laufen, mit den Daten die das Gerät liefert schlicht
und einfach nichts anzufangen weiß. Man muss nur mal bei einem x-beliebigen
Lauftreff den Läufern, die mit Pulsmesser unterwegs sind zuhören.
Da kursieren die wildesten Theorien über die richtige Schlagzahl. Man
läuft meistens bei irgendeinem Pulswert, ohne aber so richtig zu wissen
warum eigentlich. Schon die vielen Leserbriefe in Zeitschriften wie Spiridon
oder Runner's World zu diesem Thema zeigen, wie viel Un- und Halbwissen es
zu diesem Thema bei den Läufern gibt. |
Allerdings sind die Antworten der sogenannten Experten in diesen Zeitschriften
kaum besser, immer wieder werden abenteuerliche Formeln zur Berechnung des
Höchstpulses veröffentlicht und ab und zu findet sich dort sogar
noch die Formel "220 - Lebensalter = Höchstpuls", die ebenso alt wie
falsch ist.
Dabei ist gerade die Bestimmung des Höchstpulses die entscheidende
Größe, auf die alles aufbaut. Und da der Höchstpuls bei jedem
Menschen so individuell wie die Nasenform ist, helfen hier irgendwelche
Rechenformeln mit Sicherheit nicht weiter. Nicht umsonst bedienen sich
Spitzenathleten ausgefeilter Leistungsdiagnostik mit Laktatmessung um
möglichst verlässliche Werte zu erhalten, auf denen ein pulsgesteuertes
Training aufgebaut werden kann. Ob sich dieser Aufwand aber auch für
einen selbst lohnt, das muss jeder für sich entscheiden. Für einen
ambitionierten Leistungssportler, der alle Leistungsreserven nutzen
möchte sicherlich, für einen Freizeitläufer, der zwei-
bis dreimal in der Woche läuft, ist der Nutzten wohl eher fraglich und
so bleibt für sie der Pulsmesser bestenfalls ein nettes Spielzeug ohne
echten Nutzwert.
Dass aber selbst der Einsatz im Hochleistungsbereich nicht unbedingt zwingend
erforderlich ist, zeigt folgendes Beispiel: Im letzten Jahr lief der beste
deutsche Marathonläufer die 42,195 km in 2:15 Stunden. Diese Zeit
können bestimmt 300 kenianische Läufer unterbieten, die teilweise
noch nicht einmal eine Stoppuhr, geschweige denn einen Pulsmesser besitzen.
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