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Wenn ein Breitensportmagzin über Spitzensport schreibt...

Was mir auffiel - So ist im Oktober 2006 in der "Runner's World" auf Seite 86 ein Artikel überschrieben, in dem es um Sabrina Mockenhaupt, ihr 10.000-Meter Rennen bei den Europameisterschaften in Göteborg und den anschließenden "Zickenkrieg" mit Irina Mikitenko geht. Was mir beim Lesen des Artikels vor allem auffiel, ist die unglaubliche Inkompetenz, die der Autor hier an den Tag legt

So verurteilt er hier Sabrina Mockenhaupt, weil sie auf der letzten Runde ihre Teamkollegin Irina Mikitenko, die bis dahin über die gesamte Distanz an der Spitze der Verfolgergruppe gelaufen war, noch überspurtet und sich damit den achten Platz erkämpft hatte.

Offensichtlich ist es dem Autor nicht bewusst, dass es sich bei besagtem Lauf in Göteborg um ein Meisterschaftsrennen gehandelt hat. Und bei einer Meisterschaft geht es nun einmal nur darum, eine möglichst gute Platzierung zu belegen. So gesehen hat die kleine Siegerländerin doch alles richtig gemacht. Sicherlich stimmt es, dass sie im Windschatten einen Vorteil hatte, aber es hatte doch niemand Irina Mikitenko gezwungen, die ganze Zeit vor ihr her zu laufen. Jeder Athlet bestimmt schließlich seine Taktik selbst und die gebürtige Kasachin hatte in diesem Fall schlicht und einfach die falsche gewählt.

Nun möchte uns der Autor aber glauben machen, dass durch den Ausgang dieses Zweikampfes über die Vergabe von Fördermitteln entschieden wurde, weil ein achter Platz bei internationalen Meisterschaften "...Geldzuwendungen über einen gewissen Zeitraum sichert...", ein neunter aber nicht. Hört sich im ersten Moment überzeugend an, stimmt aber so nicht. Richtig ist nämlich, dass es die Erfolgsprämien durch die Deutsche Sporthilfe bis Platz acht nur bei Weltmeisterschaften und olympischen Spielen gibt. Bei Europameisterschaften hingegen werden nur die ersten sechs Plätze belohnt, folglich gingen in Göteborg also beide Läuferinnen leer aus.

Damit aber noch nicht genug, denn jetzt kommt es knüppeldick. Er schreibt über Sabrina Mockenhaupt: "Die ist bisher weniger bekannt geworden durch herausragende Leistungen auf internationaler Ebene als durch eumelige Sprüche und tränenduselige Auftritte...". Offensichtlich ist ihm hier völlig entgangen, dass Sabrina Mockenhaupt im letzten Jahr bei den Cross-Europameisterschaften in Tilburg die Silbermedaille gewonnen hat und bei den Hallen-Europameisterschaften über 3.000 Meter Dritte war. Und damit bis zu den überraschenden Siegen von Jan Fitschen und Ulrike Maisch für die größten deutschen Erfolge auf den Langstrecken in den letzten Jahren gesorgt hat.

Am Wochenende werden Sabrina Mockenhaupt und Irina Mikitenko übrigens beim Kölner Halbmarathon erneut aufeinander treffen. Natürlich wird eliterunning.de ausführlich über das Rennen berichten, aber wir dürfen jetzt schon gespannt sein, was "Runner's World" darüber schreiben wird...

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Dieser Text wurde auch per E-Mail an Runner's World geschickt, darauf die Antwort von Thomas Steffens, Chefredakteur von Runner's World, per E-Mail am 05.10.2006

Sehr geehrter Herr Ahlhäuser

über Stil brauchen wir uns wohl nicht unterhalten, auch in Zeiten des
Internet, da jeder seinen Senf ins Netz stellt. So gibt es beispielsweise
die Form der persönlichen Anrede, auch bei E-Mails ist das möglich.

Die Glosse über die Heulsuse Mockenhaupt beruht einzig und allein darauf,
dass diese leider sehr schlecht beratene junge Frau eine katastrophale
Außenwirkung erreicht hat durch ihr dümmliches Verhalten vor den Medien,
nicht erst in diesem Jahr, sodass Zeitungen landauf-landab vom "Zickenkrieg"
schrieben. Wenn Athleten in der Öffentlichkeit auftreten und außerdem Geld
damit verdienen, weil sie bekannt sind, dann müssen sie damit leben, dass
man sich mit ihnen beschäftigt, vor allem wenn sie Käse reden und vor allem
wenn sie dies nicht zum ersten Mal tun.

Runner´s World ist ein Breitensportmagazin, da haben Sie tatsächlich recht.
Das hindert uns nicht, auch die Elite zu beobachten und uns ab und zu mit
dem Thema zu beschäftigen, zumal zwei RW-Redakteure aus diesem Bereich
kommen. Ab und zu sollten Sie durchaus mal reinschauen, denn da erfahren Sie
unter anderem, wie es in Kenia wirklich zugeht und wie Eliteläufer in
anderen Teilen der Welt leben und trainieren.
Man sollte nicht über Dinge Urteile abgeben, die man nicht genau kennt, auch
nicht über ein Laufmagazin, das seit 14 Jahren am Markt ist. Es wird unter
anderem gemacht von einem Redakteur, der als ehemaliges
Nationalkadermitglied im Marathon zum Elitebereich im Langstreckenlauf eine
gewisse Affinität hat (Grüning) sowie von einem zweiten Redakteur, der schon
Fachartikel über Langstreckenlauf und -läufer schrieb, als Sie noch gar
nicht existierten (Steffens). Ich habe schon vor über 20 Jahren Athleten für
Marathons im In- und Ausland verpflichtet, habe mit Weltklasseläufern Gagen
verhandelt und Preisgelder ausbezahlt. Was die deutsche Leichtathletik in
den letzten Jahren bietet, ist erbärmlich im Vergleich zu den Zeiten, die
ich erlebt habe und die Sie nur aus Büchern oder Erzählungen kennen, wenn
überhaupt. Wo Sie mir "Inkompetenz" attestieren, erlaube mir, Ihnen
sprachliche Inkontinenz zu attestieren.

Wenn also für jemanden gilt "Schuster, bleib bei deinen Leisten", dann für
Sie.
Man sollte seinen Mund nicht zu weit aufreißen, wenn man nicht schreien
kann. (altes kenianisches Sprichwort)

Freundliche Grüße

Thomas Steffens

P.S.

Achte Plätze entschieden übrigens über Kaderzugehörigkeit und damit auch
über Finanzen.

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Antwort von Jochen Alhäuser:

Nun, da scheint mir ja ein richtiger Volltreffer gelungen zu sein, wenn man die überaus heftige Reaktion von Herrn Steffens zugrunde legt. Vor allem, wenn man sieht, wie er sich am Anfang seines Schreibens zum Thema Stil auslässt (Aus dem Autorenkürzel STS unter dem Runner's World-Artikel war der Urheber nicht eindeutig auszumachen, deshalb wurde der Text ohne persönliche Anrede an den Leserservice geschickt), selbst aber zum Schluss eine inhaltlich nicht haltbare Verbalattacke nach der anderen reitet. Aber der Reihe nach.

Man kann die Art von Sabrina Mockenhaupt mögen oder auch nicht, aber Tatsache ist, dass sie sich auch in der Öffentlichkeit und den Medien so gibt, wie sie ist und nicht ein von irgendwelchen Marketingstrategen geschaffenes Image vorspielt. Ob sie damit wirklich so schlecht beraten ist, sei einmal dahingestellt, denn immerhin hat sie so einen Bekanntheitsgrad und eine Popularität erreicht, wie kaum ein anderer aktueller deutscher Leichtathlet. Dass sich eine Boulevardzeitung natürlich gerne ihrer öffentlich vorgetragenen Heulauftritte annimmt, liegt in der Natur der Sache. Umso mehr erwartet man dann wenigstens von einer Fachzeitschrift, die sich die Größte der Welt nennt, eine angemessene Berichterstattung über ihre sportlichen Leistungen. Vor allem dann, wenn diese Zeitschrift Redakteure beschäftigt, die eigentlich wissen müssten wie es geht.

Wenn Sie, Herr Steffens, mir unterstellen, ich würde Urteile über Dinge abgeben, von denen ich keine Ahnung habe, dann sei Ihnen das folgende gesagt: Auch ich bin seit mittlerweile fast zwei Jahrzehnten mit dem Laufsport verbunden, sei es als Athlet oder im Dienst der Presse, habe auch Martin Grüning noch als Topathlet auf dem Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit erlebt. Und um zu erfahren, wie es in Kenia zugeht, brauche ich keine Zeitschrift, denn ich kenne viele der kenianischen Topathleten persönlich und hatte schon mehrmals die Gelegenheit, gemeinsam mit ihnen zu trainieren.

Die Runner's World habe ich in der amerikanischen Originalausgabe schon lange vor dem Erscheinen des ersten deutschen Heftes kennen gelernt und seit 1991 auch für viele Jahre abonniert, ebenso wie die britische und aktuell die niederländische Ausgabe. Auch die deutsche Ausgabe habe ich von Anfang an gelesen und jedes Heft bis heute archiviert. Und gerade beim Durchblättern älterer Ausgaben aus den Anfangsjahren kommt Wehmut auf, denn damals war die Runner's World wirklich eine lesenswerte Zeitschrift mit interessanten journalistisch hochwertigen Beiträgen. Heute hat man das Heft in einer Viertelstunde durch (wenn man nicht gerade auf Unverdauliches von Werner Sonntag oder Günter Herburger trifft, aber das ist ein anderes Thema) und nur selten findet man wirklich etwas interessantes Neues.

Recht hat Herr Steffens, immerhin in dem, was er über den aktuellen Leistungsstand der deutschen Leichtathletik schreibt. Aber wo sollen denn jugendliche Nachwuchsathleten ihre Vorbilder finden? In seiner Zeitschrift sicher nicht, denn dort wird einem übergewichtigen Mann, der durch das Laufen 48 Kilo verliert (Immerhin Respekt vor dieser Leistung) mehr als doppelt so viel Platz gewidmet wie den beiden Europameistern von Göteborg zusammen. Und die übrigen guten Leistungen der deutschen Langstreckler werden erst gar nicht erwähnt (André Pollmächer als Siebter über 10.000 in persönlicher Bestzeit, Bronze für die Damen in der Marathon-Europacup-Wertung). Die Artikel über Ulrike Maisch und Jan Fitschen, geschrieben von dem von mir sehr geschätzten Jörg Wenig, waren übrigens keine Runner's World-Eigenproduktionen, sondern zuvor auch schon in anderen Publikationen zu lesen.

Also Herr Steffens, bleiben auch Sie "bei Ihren Leisten", schreiben weiterhin, wie sich Anfänger mit pulsgesteuerten Profi-Trainingsplänen über 10 km von 60 auf 55 Minuten verbessern können. Die ambitionierten Läufer, die uns heute noch geblieben sind, finden die Informationen die sie suchen im Spiridon.

PS: In der soeben vom Deutschen Leichtathletikverband veröffentlichten Kaderliste 2006/07 werden sowohl Irina Mikitenko als auch Sabrina Mockenhaupt im B-Kader geführt. Dies zum Thema Auswirkungen der EM-Platzierungen.

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Meinungen und Kommentare

Cay Krapf, per E-Mail, 19.10.2006

Als ambitionierter Breitensportler im mittleren, 36, Alter besuche ich sowohl sehr häufig Ihre Seite, wie auch die Seiten ( RW im Abonnement ) der RW regelmäßig.

Sicherlich haben sie beide Recht, allerdings spiegeln Sie auch beide das wieder, was unsere Gesellschaft Krank macht -> um so höher das Niveau der miteinander diskutierenden, umso intensiver erfolgt das Gerangel um einen Kompetenzvorsprung.

Eigentlich sollten sowohl Sie als auch Herr Steffens so besonnen sein, sich über solche Themen für beide Seiten förderlich auszutauschen.

Auf diesem Niveau finden keine konstruktiven Diskussionen statt, sondern lediglich verbale Kämpfe die unter die Gürtellinie gehen, eben wie es momentan in unserer Gesellschaft Modern ist.

Lernen können sie hier auf jeden Fall von den kenianischen Freunden -> Bescheidenheit, und Respekt dem anderen gegenüber.

Michael Bünning, per E-Mail, 20.10.06

Mittlerweile habe ich den Eindruck bekommen, das Runnersworld die Bravo der Läufer gworden ist und auch ein Dr. Sommerteam beschäftigt. Die Qualität der Zeitung wird immer schlechter und die Berichte wiederholen sich jedes Jahr

Anne Grießbach, per E-Mail, 20.10.06

habe gerade mal ganz spontan mein Abo bei Runners World gekündigt ;-)

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Anmerkungen und Kommentare zum Thema bitte an info@eliterunning.de